PUBLIKATION

 

Die Geschichte eint - das Gedächtnis trennt.
Erinnerung und Identität im deutsch-polnischen Diskurs

in Zusammenarbeit von Cusanuswerk und DAAD herausgegeben von
Stefan Raueiser und Katharina Wildermuth

(= Schriften des Cusanuswerks XVI), Bonn 2007
ISSN 1611-9304

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Vorwort

"Erinnerung und Identität" lautete der Titel des Europäischen Doktorandenkolloquiums, das im November 2006 in Lublin in Zusammenarbeit der Bischöflichen Studienförderung Cusanuswerk (CW) mit dem Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) und dem Instytut Germanistyki der Uniwersytet Marii Curie-Skłodowskiej (UMCS) stattfand.

"Das Gedächtnis ist der Geschichte stets verdächtig" schreibt der französische Historiker Pierre Nora, der den Begriff "Erinnerungsort" (lieu de mémoire) geprägt hat. Steht doch das, was das Gedächtnis zu erinnern glaubt, und das, was die Geschichte zu wissen vorgibt, oft in einem Spannungsverhältnis, so dass man mit Bezug auf die eher lockere Verbindung von Geschichte und Geschichtsbewusstsein formulieren darf: "Die Geschichte eint - das Gedächtnis trennt". Dies tritt in den deutsch-polnischen Diskursen ganz besonders deutlich dort zu Tage, wo es um die Jahre des Zweiten Weltkriegs geht und um die historischen Lehren, die aus der Okkupation Polens, aus den Verbrechen der Shoah oder aus den unterschiedlichen Vertreibungsgeschichten zu ziehen sind.

Entwickelte sich die erinnerte und erst dadurch identitätsstiftende Geschichte beiderseits der Oder in gegenläufiger Richtung oder besteht im Gegenteil eine merkwürdige Parallelität genau darin, dass sich beide Seiten heute vorrangig den eigenen Opfern zuwenden?

Mit dem vorliegenden Tagungsband, der Essays teilnehmender Studierender ebenso enthält wie die in Lublin gehaltenen Vorträge, wird nicht nur das Deutsch-Polnische Kolloquium dokumentiert, sondern auch das Nachdenken über "Erinnerung und Identität" gerade angesichts der Opfer von Lublin und Majdanek thematisiert - damit sich ein neuer, ein gemeinsamer, ein europäischer Diskurs entwickeln kann, ohne dass sich die berechtigten Unterschiede in den Wahrnehmungen der jeweiligen nationalstaatlichen Perspektiven verwischen ließen.

Beiträgerinnen und Beiträger wünschen, die die nachbarschaftliche, ja freundschaftliche Dimension des deutsch-polnischen Diskurses über Erinnerung und Identität vorantreiben möchten. Besonderer Dank gebürt dem Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD), der für die Drucklegung einen Zuschuss aus Mitteln des Auswärtigen Amtes gewährt hat.

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Inhaltsverzeichnis

I. Polen und Deutsche in Europa
Europa sehen, aber anders: Von Osten her
Stefan Raueiser, Bonn

Erinnerung und Identität im Kulturdialog.
Zur Methodik des Europäischen Doktorandenkolloquiums
Katharina Wildermuth, Lublin

II. Gedenken und Gedächtnis
Das Gedächtnis trennt - die Geschichte eint
Burkhard Olschowsky, Oldenburg

Shoah und Zweiter Weltkrieg.
Kollektives Gedächtnis und Erinnerungskultur im deutsch-polnischen Vergleich
Tomasz Kranz, Lublin

Vergegenwärtigende Erinnerung - Herausforderung christlicher Theologie.
Eine notwendige Ergänzung säkular-politischer Gedächtniskultur
Josef Wohlmuth, Bonn

III. Erinnerung und Identität
Lublin bei Alfed Döblin
Katarzyna Maciąg, Lublin

Vertrieben aus dem Osten. Deutsche und Polen erinnern (sich) anders.
Agnieszka Gryz-Männig, Dresden

Die besten Geschichten entstehen da, wo die Kulturen zusammenstoßen, sich mischen.
Danzig/Gdańsk als "doppelter Erinnerungsraum"
Joanna Bednarska-Kociołek, Łódź

Diese Menschen - das ist Polen
Identitätssuche im polnischen Roman des 20. Jahrhunderts
Judith Elisabeth Luig, Berlin

Wie leben?
Zur Bedeutung und Ethik des Erinnerns bei Czesław Miłosz und Wisława Szymborska
Monika Mann, Münster

Wer nicht erinnern will, muss wiederholen?
María-Teresa Quirós-Fernández, Potsdam

Liegt die Mitte ostwärts?
Deutsche und Polen in Europa!
Julia Bürger, Regensburg

Erinnerung und Identität
Dorota Trzeszczkowska, Lublin

 

Anhang
Programm
Hinweis auf Textbuch und Homepage
Bio-Bibliographie der Autoren

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Bei Interesse an dieser Publikation wenden Sie sich bitte an Liane Neubert, Cusanuswerk (Bonn).